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Bei
einem renommierten Grossunternehmen
Karriere machen - das wollen viele
Studenten. Aber ist eine Konzernlaufbahn
für jeden geeignet? Und wie gelingt
der Einstieg? forum sprach mit der
Personalexpertin Rita
Baechler-Barth.
Interview:
Holger Thissen
Frau
Baechler, die meisten Studenten
möchten bei den bekannten Unternehmen
arbeiten. Aber bieten die grossen Namen
wirklich die besten
Berufsstartchancen?
Baechler:
In grossen Unternehmen werden
Berufsstarter professionell auf ihre
Karriere vorbereitet. Ausgefeilte
Ausbildungsprogramme, persönlicher
Mentor, regelmässige
Personalentwicklung - nur die Grossen
investieren so viel in ihre jungen
Mitarbeiter, um sie fit zu machen für
verantwortungsvolle Positionen. Diese
Vorleistung hat aber ihren
Preis.
Welchen?
Wer viel
in einen Mitarbeiter investiert, will auch
viel Leistung sehen. Entsprechend hart ist
der Wettbewerb zwischen den Mitarbeitern.
Das Arbeitsklima ist in grossen
Unternehmen meist kälter als in
Kleinbetrieben.
Für
welche Absolventen sind die
Grossunternehmen die beste
Adresse?
Wer sich
im Leben mit vollem Einsatz auf seine
Karriere konzentrieren will, sollte zu
einer grossen Firma gehen. Allerdings sind
nur fünf Prozent der Absolventen
für so eine Top-Management-Karriere
geeignet.
Und die
restlichen 95 Prozent sind mit einer
Top-Karriere
überfordert?
Es wimmelt
in Unternehmen von schlechten Managern.
Das sind alles Leute, die sich besser
für eine Laufbahn mit mehr Ausgleich
entschieden hätten. Es hat nun mal
nicht jeder Absolvent das Zeug zu einer
Spitzenkarriere.
Und wer
nicht zum Top-Manager geschaffen ist,
sollte kleinere Brötchen backen und
seine Laufbahn bescheidener
planen?
Ganz
genau. Vor dem Berufsstart muss jeder
für sich herausfinden, was ihm
wichtig ist. Will ich Karriere machen oder
sind mir Familie und ein ausgeglichenes
Leben wichtiger? Niemand wird in einer
Unternehmenskultur glücklich werden,
die nicht zu ihm passt.
Wie
realistisch schätzen Absolventen denn
ein, in welches Unternehmen sie
passen?
Ich
schätze, dass nur jeder zweite
Absolvent die richtige Unternehmenskultur
für sich wählt. Die andere
Hälfte lässt sich vom Glanz
einer schnellen Karriere blenden. Oft
merken diese Fehlplatzierten dann nach
einigen Jahren, dass die Karriere sie
nicht ausfüllt und schwenken um auf
einen Job, der ihnen mehr Raum für
ihr Privatleben lässt.
Was
halten Sie von Rankings als
Orientierungshilfe für
Absolventen?
Rankings
sind als erste Orientierung in Ordnung.
Aber sie können niemandem die Arbeit
abnehmen, herauszufinden, welches
Unternehmen am besten zu einem passt.
Diese Entscheidung muss jeder für
sich treffen und zwar aus dem Bauch
heraus. Die innere Stimme ist wichtiger
als Ranglisten.
Raten
Sie bei den beliebten Arbeitgebern zu
Initiativbewerbungen?
Unbedingt.
Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn
zunächst eine Absage
zurückkommt. Möglicherweise ist
Ihre Bewerbungsmappe nur in der
Warteschleife. Personaler arbeiten gerne
mit einem Stamm von guten Kandidaten,
deren Unterlagen Sie bei Bedarf aus der
Schublade ziehen können.
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